Nicht jede Auffälligkeit bei Hund, Katze oder Heimtier ist sofort lebensbedrohlich. Dennoch gibt es Situationen, in denen rasches tierärztliches Handeln entscheidend ist. Für Tierhalter:innen ist es oft schwierig einzuschätzen, ob Abwarten vertretbar ist oder ob ein Tier umgehend vorgestellt werden sollte.
Dieser Artikel soll Ihnen helfen, Notfälle frühzeitig zu erkennen und im Ernstfall richtig zu reagieren.
Was bedeutet „Notfall“ in der Tiermedizin?
Von einem tiermedizinischen Notfall sprechen wir, wenn
– das Leben Ihres Tieres akut bedroht ist,
– starke Schmerzen bestehen,
– sich der Zustand rasch verschlechtert oder
– bleibende Schäden drohen, wenn nicht sofort behandelt wird.
In solchen Situationen zählt jede Minute.
Diese Symptome sind immer ein Notfall
Bitte stellen Sie Ihr Tier unverzüglich tierärztlich vor, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten.
Allgemeine Notfallzeichen
-
Atemnot, starkes Hecheln oder bläulich verfärbte Schleimhäute
-
Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
-
plötzliche starke Schwäche oder Kollaps
-
starke oder nicht stillbare Blutungen
-
hochgradige Schmerzen, z. B. lautes Schreien, starke Unruhe oder Abwehrreaktionen
Innere Erkrankungen und Vergiftungen
-
plötzliches, anhaltendes Erbrechen oder Durchfall, insbesondere mit Blut
-
Aufnahme giftiger Substanzen (z. B. Medikamente, Pflanzen, Rattengift, Schokolade, Rosinen)
-
stark aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen, vor allem beim Hund
-
fehlender oder schmerzhafter Urinabsatz
Verletzungen und Lahmheiten
-
offene Wunden oder Bissverletzungen
-
sichtbare Fehlstellungen von Gliedmaßen
-
plötzlich hochgradige Lahmheit oder vollständige Bewegungsunfähigkeit
-
Stürze aus größerer Höhe oder Verkehrsunfälle
Neurologische Auffälligkeiten
-
Krampfanfälle
-
plötzliche Gleichgewichtsstörungen
-
schief gehaltenes Köpfchen oder Kreisbewegungen
-
Lähmungserscheinungen
Orientierung: Wichtige Vitalwerte bei Hund und Katze
Die folgenden Werte dienen Ihnen als grobe Orientierung. Abweichungen können – insbesondere in Kombination mit Krankheitsanzeichen – auf einen Notfall hinweisen.
Hund
-
Atemfrequenz in Ruhe: ca. 10–30 Atemzüge pro Minute
-
Herzfrequenz: ca. 60–120 Schläge pro Minute
-
Körpertemperatur: ca. 38,0–39,0 °C
-
Schleimhäute: rosig, feucht
Katze
-
Atemfrequenz in Ruhe: ca. 20–40 Atemzüge pro Minute
-
Herzfrequenz: ca. 140–220 Schläge pro Minute
-
Körpertemperatur: ca. 38,0–39,2 °C
-
Schleimhäute: rosig, feucht
Eine deutlich erhöhte Atemfrequenz in Ruhe, blasse oder bläuliche Schleimhäute, starkes Hecheln bei der Katze oder eine deutlich erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur sollten immer ernst genommen werden.
Wann sollte man lieber einmal zu viel kommen?
Einige Symptome sind nicht immer ein akuter Notfall, sollten jedoch zeitnah tierärztlich abgeklärt werden. Dazu zählen unter anderem
– Appetitlosigkeit über mehr als 24 Stunden,
– leichte, aber zunehmende Lahmheit,
– wiederkehrendes Erbrechen,
– deutliche Verhaltensveränderungen („Er/Sie ist nicht mehr wie sonst“),
– vermehrtes Trinken oder Urinieren.
Im Zweifel gilt: Lieber einmal früher vorstellen als zu spät.
Was Sie im Notfall tun können
Bewahren Sie Ruhe, da sich Aufregung auf Ihr Tier überträgt.
Kontaktieren Sie uns nach Möglichkeit telefonisch, bevor Sie in die Praxis kommen, damit wir uns auf die Situation einstellen können.
Geben Sie keine Medikamente aus der Humanmedizin.
Transportieren Sie Ihr Tier ruhig und sicher.
Informationen zu Erreichbarkeit und Vorgehen außerhalb der regulären Sprechzeiten finden Sie hier:
Tierärztlicher Notdienst
Warum schnelles Handeln so wichtig ist
Viele Notfälle lassen sich gut behandeln, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Verzögerungen können hingegen zu schweren Komplikationen, längeren Klinikaufenthalten oder einer deutlich schlechteren Prognose führen.
Notfälle bei Heimtieren
Bei Heimtieren wie Kaninchen, Meerschweinchen und kleinen Nagern verlaufen Erkrankungen häufig lange unauffällig. Schmerzen oder Schwäche werden oft erst spät gezeigt. Umso wichtiger ist es, auch subtile Veränderungen ernst zu nehmen.
Diese Symptome sind bei Heimtieren immer ein Notfall
Bitte stellen Sie Ihr Heimtier sofort tierärztlich vor, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:
– vollständige oder nahezu vollständige Futterverweigerung
– kein oder stark verminderter Kotabsatz
– aufgeblähter oder schmerzhafter Bauch
– deutliche Teilnahmslosigkeit oder zusammengesunkene Haltung
– Atemprobleme
– plötzliche Lähmungen oder Koordinationsstörungen
– starke Blutungen oder sichtbare Verletzungen
– Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen
Insbesondere bei Kaninchen und Meerschweinchen gilt: Ein Stillstand der Magen-Darm-Tätigkeit ist immer ein Notfall und kann unbehandelt lebensbedrohlich werden.
Erste Hilfe beim Tier – Wissen, das Sicherheit gibt
Grundkenntnisse in Erster Hilfe können im Ernstfall wertvolle Zeit überbrücken, bis eine tierärztliche Versorgung möglich ist. Wenn Sie Interesse an einem Erste-Hilfe-Kurs für Kleintiere haben, können Sie gerne unsere Praxis kontaktieren und den nächsten Termin erfragen.