Der Urlaub steht vor der Tür, und für viele von uns ist klar: Der Vierbeiner kommt mit. Ein gemeinsamer Sommer am Mittelmeer, eine Wanderwoche in den Bergen oder der Roadtrip an die Küste – Reisen mit Hund oder Katze kann wunderschön sein. Damit es das auch bleibt, lohnt sich ein Blick auf zwei Themen, die im Vorfeld gerne übersehen werden:
Die richtigen Reisepapiere und der Schutz vor den sogenannten Reisekrankheiten.
In diesem Beitrag fasse ich für Sie zusammen, worauf es ankommt.
Erst die Papiere: Was seit 2026 gilt
Innerhalb der EU reisen Hunde, Katzen und Frettchen mit dem EU-Heimtierausweis. Er wird von einer ermächtigten Tierärztin oder einem ermächtigten Tierarzt ausgestellt und dokumentiert die eindeutige Kennzeichnung über den Mikrochip sowie eine gültige Tollwutimpfung.
Zum 22. April 2026 sind neue EU-Regeln in Kraft getreten. Für die meisten Halterinnen und Halter mit ein oder zwei Tieren ändert sich im Alltag wenig, ein paar Punkte sind aber gut zu wissen:
- Pro Person dürfen bis zu fünf Tiere mitreisen. Wer mehr Tiere transportiert, fällt grundsätzlich unter die strengeren Regeln für gewerbliche Transporte.
- Bereits ausgestellte Heimtierausweise bleiben gültig. Aktualisierte Ausweisformate folgen erst ab 2028.
- Bei der Einreise aus einem Nicht-EU-Land wird eine Tiergesundheitsbescheinigung verlangt statt des Heimtierausweises – hier lohnt sich frühzeitige Planung, gerade bei Reisen über Drittländer.
Zwei Fristen sollten Sie fest einplanen:
- Die Tollwut-Erstimpfung darf frühestens ab der 12. Lebenswoche erfolgen muss mindestens 21 Tage vor der Abreise verabreicht worden sein, damit ein belastbarer Impfschutz besteht. Bei lückenloser Auffrischung entfällt diese Wartezeit.
- Für Finnland, Irland, Malta, Norwegen und Nordirland ist zusätzlich eine Bandwurmbehandlung gegen den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) vorgeschrieben. Sie muss 24 bis 120 Stunden vor der Einreise in der Tierarztpraxis durchgeführt und im Ausweis eingetragen werden.
Für einzelne Länder gelten außerdem eigene Vorschriften zu Leinen- und Maulkorbpflicht oder Rasselisten. Ein Blick auf die konkreten Einreisebestimmungen des Ziellandes gehört daher in jede Reisevorbereitung.
Was sind „Reisekrankheiten“?
Mit Reisekrankheiten sind in der Tiermedizin die Mittelmeerkrankheiten gemeint: Infektionen, die überwiegend durch Zecken und Mücken übertragen werden und vor allem im Mittelmeerraum – also in beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Italien, Griechenland, Portugal oder Kroatien – verbreitet sind. Sie heißen „Reisekrankheiten“, weil sie häufig von Reisen oder mit importierten Tieren zu uns gebracht werden.
Wichtig zu wissen: Diese Erkrankungen sind längst kein reines Urlaubsproblem mehr. Mit dem Klimawandel breiten sich die übertragenden Insekten und Zecken auch bei uns weiter nach Norden aus. Die Babesiose etwa gilt in Teilen Deutschlands inzwischen als heimisch. Ein guter Schutz ist deshalb auch außerhalb der Reisezeit sinnvoll.
Die vier bekanntesten Reisekrankheiten:
Leishmaniose:
Übertragen durch den Stich infizierter Sandmücken, die vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind. Die Erreger befallen unter anderem Knochenmark, Lymphknoten, Leber und Milz. Typisch sind Hautveränderungen, Schuppenbildung, gefranste Ohrränder, übermäßig langes Krallenwachstum, Gewichtsverlust und Organbeteiligung. Die Leishmaniose ist in der Regel nicht vollständig heilbar – betroffene Hunde gelten als chronisch krank. Bei früher Diagnose und guter Betreuung können viele Tiere aber ein stabiles, beschwerdefreies Leben führen. Nicht jeder positiv getestete Hund erkrankt tatsächlich.
Babesiose („Hundemalaria“):
Übertragen durch Zecken, insbesondere Auwaldzecke und Braune Hundezecke. Die Babesien zerstören die roten Blutkörperchen. Folgen sind Fieber, Blutarmut, blasse oder gelbliche Schleimhäute und dunkel verfärbter Urin. Die Erkrankung kann unbehandelt rasch lebensbedrohlich werden – ist aber, anders als die Leishmaniose, in der Regel gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.
Ehrlichiose:
Eine bakterielle Infektion, ebenfalls über Zecken übertragen. Sie verläuft oft in Schüben mit Fieber, Abgeschlagenheit, Blutungsneigung und Lymphknotenschwellung und kann lange unbemerkt bleiben. Bei rechtzeitiger Behandlung sind die Aussichten meist gut.
Dirofilariose (Herzwurmerkrankung):
Übertragen durch Stechmücken. Die Larven entwickeln sich zu Würmern, die sich in Herz und Lungengefäßen ansiedeln. Eine Behandlung ist möglich, aber aufwendig und nicht ohne Risiko – die Vorbeugung ist hier besonders wichtig.
Seltener, aber ebenfalls relevant sind Hepatozoonose und Giardiose. Allen gemeinsam ist: Die Inkubationszeiten sind oft lang, und Symptome zeigen sich mitunter erst Monate nach der Reise. Wer den Zusammenhang nicht kennt, denkt dann nicht mehr an den Urlaub.
Prophylaxe: So schützen Sie Ihr Tier
Die gute Nachricht: Gegen die meisten dieser Erkrankungen können Sie sehr wirksam vorbeugen. Der Schutz beruht auf mehreren Säulen, die sich ergänzen.
Konsequenter Stich- und Zeckenschutz:
Sinnvoll sind Repellentien, die Insekten und Zecken abwehren, bevor sie überhaupt stechen – etwa geeignete Spot-on-Präparate oder wirkstoffhaltige Halsbänder. Wichtig ist, dass das gewählte Mittel nicht nur Zecken abtötet, sondern auch Mücken und Sandmücken abhält, denn nur so lässt sich die Übertragung verhindern. Achten Sie auf einen lückenlosen Schutz über die gesamte Reisezeit und beginnen Sie rechtzeitig vor der Abreise.
Zeiten und Umgebung meiden:
Sandmücken sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Halten Sie Ihren Hund in dieser Zeit möglichst im Haus, nutzen Sie feinmaschige Insektennetze und meiden Sie feuchte, stehende Gewässer als Brutstätten von Stechmücken.
Impfung gegen Leishmaniose:
Für die Leishmaniose gibt es – als einzige der Mittelmeerkrankheiten – einen Impfstoff. Er ersetzt den Stichschutz nicht, kann ihn aber sinnvoll ergänzen, insbesondere bei Reisen in ausgeprägte Risikogebiete. Ob eine Impfung für Ihr Tier infrage kommt, klären wir individuell.
Herzwurmprophylaxe:
Bei Reisen in Herzwurm-Endemiegebiete kann eine gezielte medikamentöse Vorbeugung angezeigt sein. Auch das planen wir am besten vor der Abreise.
Screening vor und nach der Reise. Weil viele Reisekrankheiten lange unbemerkt bleiben, empfehle ich eine Blutuntersuchung – bei importierten oder in Risikogebieten reisenden Hunden idealerweise unmittelbar nach der Rückkehr und noch einmal etwa vier bis sechs Monate später. So lassen sich Infektionen früh erkennen, wenn die Behandlung am aussichtsreichsten ist.
Keine dieser Maßnahmen bietet für sich allein eine hundertprozentige Garantie. In Kombination senken sie das Risiko aber ganz erheblich.
Und die Katze?
Katzen reisen seltener mit, sind aber nicht grundsätzlich verschont: Auch sie können sich mit Herzwürmern infizieren, und Stiche und Zeckenbisse machen vor ihnen nicht halt.
Wichtig: Bitte niemals ein für Hunde bestimmtes Spot-on-Präparat bei der Katze verwenden. Viele hundetaugliche Wirkstoffe – allen voran Permethrin – sind für Katzen hochgiftig. Für Katzen gibt es eigene, verträgliche Präparate. Sprechen Sie uns an, bevor Sie irgendetwas auftragen.
Reiseübelkeit nicht vergessen
Ein zweites, ganz praktisches Reisethema ist die Reiseübelkeit (Kinetose), unter der besonders junge Tiere im Auto leiden. Anzeichen sind Hecheln, Speicheln, Unruhe, Erbrechen. Oft hilft schon eine schrittweise Gewöhnung ans Auto mit kurzen, positiven Fahrten, gut gesicherter Transport in Box oder Geschirr, frische Luft und leerer Magen vor der Fahrt. Reicht das nicht aus, gibt es wirksame, gut verträgliche Medikamente gegen Übelkeit – die verschreiben wir gerne im Vorfeld, damit die Fahrt für alle entspannt bleibt.
Praktische Reisetipps zum Schluss
- Hitze ernst nehmen. Lassen Sie Ihr Tier niemals im geparkten Auto zurück – schon wenige Minuten können lebensgefährlich werden. Reisen Sie an heißen Tagen möglichst früh morgens oder spätabends.
- Pausen und Wasser. Regelmäßige Stopps, frisches Wasser und die Möglichkeit, sich zu lösen, gehören auf jede längere Fahrt.
- Gewohntes mitnehmen. Vertrautes Futter, die eigene Decke und ein bekanntes Spielzeug geben Sicherheit in fremder Umgebung.
- Notieren Sie sich vorab eine tierärztliche Anlaufstelle am Urlaubsort.
Ihr Reise-Check bei uns
Am entspanntesten reist es sich, wenn die Vorbereitung stimmt. Kommen Sie rechtzeitig – idealerweise vier bis sechs Wochen vor der Abreise – zu uns in die Praxis. Wir prüfen gemeinsam die Reisepapiere und den Impfstatus, stellen den passenden Parasitenschutz zusammen und beraten Sie zur Prophylaxe für Ihr konkretes Reiseziel.
Gute Reise!